Achtung Grossveranstaltung, bitte achten Sie auf Ihre Wertgegenstände
 
Peter Hogenkamp, 28. Juni 2006 um 0.56 Uhr, 4 Kommentare

Während ich das hier schrieb, sass ich in Dortmund beim Hauptbahnhof zwischen Hunderten von Samba-tanzenden Brasilien-Fans hinter mir und Dutzenden von fernsehschauenden Spanien-oder-Frankreich-Anhängern vor mir, und sah mir mit einem Auge das unerwartete 1:3 an. Weil man ja weiss, dass man bei Massenaufläufen auf seine Sachen achten sollte, hatte ich ein Stuhlbein in die Mitte des Tragegurts von meiner Laptop-Tasche gestellt. Nun ja, im nachhinein ist natürlich selbstkritisch anzumerken, dass das nicht eben die hundertprozentige Diebstahlsicherung war, weil man ja den Gurt an beiden Enden locker aushaken kann.

Als ich um 23.28 Uhr direkt nach dem Absenden des Posts meine Tasche greifen wollte, war sie dann also weg. Habe dann auch nicht mehr lange nutzlos rumgesucht, sondern lieber schnell noch einen Polizisten gefragt, wie man das mit der Anzeige macht, wenn man in vier Minuten auf den Zug muss. Antwort: “Kein Problem, das können Sie an jeder Polizeiwache in ganz Deutschland machen.” – “Ich wohne aber in der Schweiz.” – “Ja, das ist schlecht, dann können Sie gar nichts machen, da müssen sie halt nochmal nach Deutschland kommen.” – “Kann ich nicht morgen hier anrufen und fragen, ob das auch telefonisch geht?” – “Na gut, ich geb ihnen mal die Nummer” (Tonfall impliziert, dass das eher eine Ausnahme ist). Das verspricht noch interessant zu werden.

Etwas weniger spannend wird die Wiederbeschaffung. Erste Bestandsaufnahme: Alles wichtige hatte ich “auf Mann”, wie der Schweizer Militarist sagt, zwei Handys, u.a. das nagelneue LG Mobile Chocolate, Geld in beiden Währungen, Brieftasche, Digitalkamera etc. Und Laptop praktischerweise in der Hand mit vodafone-UMTS-Karte drin. Weg sind dagegen: Swisscom Mobile Unlimited 5-in-1, iPod nano, von Christina geliehener Laptop-Zweitakku, Ladegerät, diverse Kabel , ein sauberes T-Shirt für morgen, und, besonders tragisch, das nagelneue, noch verschweisste Buch Medienarbeit im Netz von Marcel Bernet, das ich schon auf der Hinfahrt lesen wollte, wobei ich The Art of the Start von Guy Kawasaki auch dabei hatte; keine Ahnung, warum ich immer denke, ich brauche für sowieso nur kurz lesen mindestens zwei Bücher und drei Spiegel-Ausgaben. Auch weg: Die ausgedruckte Fahrkarte, was den Nachtzug-Schaffner so überforderte, dass er nicht mal meinen Ausweis haben wollte, sondern meinte: “Das machen wir dann alles morgen früh.” Bin auch darauf gespannt.

Jedenfalls, germanblogs, 30 Blogs hin oder her, ich finde, bei der persönlichen Opferbereitschaft liegt Blogwerk schon mal 1:0 vorn.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. dorftrottel

    schrieb am 28.06.2006 um 06:33 Uhr (#)

    ..wenn einer eine reise tut, dann kann er was erzählen..

    oder wie oder was?

  2. Peter Hogenkamp

    schrieb am 28.06.2006 um 09:45 Uhr (#)

    Schöne Sache, wenn die Welt, die zu Gast ist, einem um 3 Uhr nachts solche Mails schreibt:

    Herrn Hogenkamp,
    ich heisse Santiago Mazzia und bin aus Argentinien. Ich habe vor 2 Stunden seine Laptop Tasche in der nähe vom Dortmund Hauptbahnhof gefunden.
    ich habe die Polizei angerufen, weil ich wusste nicht was ich machen sollte. Nachdem ich die Polizei angerufen habe, hatte ich bemerkt, dass drinnen waren ein paar personal Karten von Ihnen. Es waren auch dabei viele Schlüssel, und die vom Auto waren auch. Mehr kann ich nicht machen. Ich mache Sie aufmerksam, dass seine Sachen sind bei der Polizei in Dortmund.
    Es tut mir so leid, dass nur die Schlüssel, Akku und Kabel vom laptop nur da waren. Ich glaube, jemanden hat Ihnen geklaut.
    Ich hoffe, dass Sie auch gesund sind, und niemanden hat Sie wehgetan.
    Mit freundlichen Grüsse,
    Santiago Augusto Mazzia

  3. Andi B.

    schrieb am 28.06.2006 um 15:15 Uhr (#)

    Hi Peter

    Da hast Du nochmal Glück gehabt. Einer mir nahe stehenden Person wurde während der Arbeit im Zug die Laptop-Tasche geklaut. Dies so geschickt, dass kein Nachrennen möglich war. Die deutsche Polizei durfte das Videoband nicht aushändigen und hat für eine Strafanzeige auf die Schweizer Polizei verwiesen. Diese wiederum hat darauf aufmerksam gemacht, dass eine Anzeige innert 3 Tagen eingereicht werden müsse, innerhalb der nächsten 3 Tage war aber leider kein zuständiger Beamter verfügnbar.

    Fazit in zwei Perspektiven: Dumm gelaufen – leicht verdient.

  4. sy

    schrieb am 4.10.2006 um 21:20 Uhr (#)

    sauglatt, wie dem herrn hogenkamp immer lustige sachen passieren.


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