“Mit Blogs auf die grosse Kasse hoffen” - Artikel in der Sonntagszeitung
Von Peter Hogenkamp am 20. August 2006 um 06:23 Uhr Kommentare (5)
Kategorien: Firma, Medien
SonntagsZeitung vom 20. August 2006, Seite 105 (DIREKTKLINK)
Mit Blogs auf die grosse Kasse hoffen
Der Unternehmer Peter Hogenkamp eifert mit seiner Firma Blogwerk den US-Vorbildern nach
VON SIMONE LUCHETTA
Peter Hogenkamp hat es sich einfacher vorgestellt. Er will mit Weblogs Geld verdienen. Dazu gründete er im Mai die Firma Blogwerk, setzte eine Website ins Netz und suchte an der Universität St. Gallen Praktikanten, die für ein Butterbrot und einen Start-up-Eintrag im Lebenslauf Geschäftsmodelle ausbrüten sollten. Doch die Gratisarbeiter blieben aus. Jetzt muss Hogenkamp selbst Hand anlegen. Und nicht zu knapp.
Was Hogenkamp im Schild führt, ist durchaus interessant. «Die Blogwerk AG hat sich zum Ziel gesetzt, das führende deutschsprachige Netzwerk professionell betriebener Blogs aufzubauen», wie es in der Stellenausschreibung heisst. Blogwerk wolle «in den nächsten Wochen und Monaten mehrere Blogs launchen». Gesucht wurden Autoren, Redaktoren und Projektleiter für Onlinewerbung, «Teilzeitler oder Vollzeitler».
Man rührte gross an. Blogwerk sind Peter Hogenkamp und Andreas Göldi. Die beiden kennen sich aus HSG-Zeiten und haben bereits vorher Unternehmen gegründet: Hogenkamp die Zeix und Göldi die bekannte St. Galler Internetfirma Namics.
Dass mit Internettagebüchern Geld zu verdienen ist, sagt dem Betriebswirt Hogenkamp «der Bauch». Blogs sind leicht zu betreiben, und die Produktionskosten liegen praktisch bei null. «Und die ungefilterte Schreibe kommt an», meint er. Deshalb will er ein Netzwerk aus thematischen Einzel-Blogs aufbauen. «Ähnlich wie ein Verlag, der Titel herausgibt.» Fünf bis zehn sollen es bis Ende Jahr sein. Einnahmen will er vor allem mit Bannerwerbung generieren: «ein sehr klassisches Geschäftsmodell». - Zu klassisch?
Die Vorbilder sind wie immer in den USA zu finden.
Die bekanntesten Netzwerke sind Weblogs Inc., Gawker Media oder FM Publishing von Wired-Gründer John Batteile. Die New Yorker Weblogs Inc. zählt 30 Blogs und 60 Millionen Seitenaufrufe monatlich.
Die Blogger verdienen als freie Mitarbeiter zwischen 100 und 3000 Dollar im Monat, wie Gründer Jason McCabe Calacanis gegenüber der «Technology Review» verrät. Umsatz generiert Weblogs Inc. mit Anzeigen von Werbenetzwerken wie Google und mit der Vermietung von Werbeplätzen. Vor einem Jahr habe das Netzwerk allein mit Google-Anzeigen 2000 Dollar täglich umgesetzt, so Calacanis. Ob es sich letztlich rechnet, bleibt fraglich. Dennoch konnte Calacanis letzten Herbst Weblogs Inc. an AOL verkaufen.
Auch in Deutschland versuchen der Web-Verlag Spreeblick und Medienrauschen schon länger, die Blog-Szene zu professionalisieren. Und kürzlich rief der renommierte Verlag Holtzbrinck das Netzwerk Gemanblogs ins Leben. Doch die Umsätze sind dürftig.
Was also macht Hogenkamp besser? «Ich nehme Geld in die Hand», sagt er. 100 000 Franken will er in Blogwerk investieren. Die deutsche Szene dagegen sei eher kommerzfeindlich und gehe kaum Risiken ein.
Die Glaubwürdigkeit der ganzen Blogsphäre steht auf dem Spiel
Trotzdem läuft die Sache «zäh» an, wie Hogenkamp drei Monate nach der Gründung feststellt. Obwohl mit dem Ticketblog und dem Gadgetblog Neuerings.com im Juni 270 000 Seitenaufrufe erzielt wurden, lassen sich diese Erfolge nicht in Werbung ummünzen. «Im schlimmsten Fall halten wir aber ein Jahr ohne Einnahmen durch.» Heute will er auch Blog-Inhalte an Firmen verkaufen.
Nichts hält Hogenkamp von Schleichwerbung. Das System «Pay Per Post» vom Amerikaner Ted Murphy geht derzeit als Schreckgespenst um. Dabei lassen Firmen ihre Produkte bewerben, indem sie Blogger gegen Geld darüber schreiben lassen. Hogenkamp: «Das wäre unser Tod.» Tatsächlich steht die Glaubwürdigkeit der ganzen Blogosphäre auf dem Spiel.
Heute beschäftigt Blogwerk vier Leute zwischen 22 und 38 Jahren, mit Peter Hogenkamp selbst decken sie 260 Stellenprozente ab. Für eine 50-Prozent-Stelle macht er 2200 Franken locker: «Das mit dem Praktikantenansatz hat nicht funktioniert.» Mit an Bord ist der 37-jährige Thomas Brühwiler, als «Blogging Tom» einer der meistgelesenen Blogger hier zu Lande. Bald soll er zum Teilhaber werden. Derzeit ist er für die Technik zuständig, «später wird sich das aber sicher zu Gunsten des Schreibens verschieben», wie er sagt.
An der Funkausstellung IFA in Berlin Anfang September will Hogenkamp das Blog-Netzwerk «richtig launchen», mit vier Weblogs, die heute schon «in der Betaphase» sind. Die Moderatorin für den geplanten Video-Podcast wird gerade gesucht. Und wer schreibt ihre Texte? Hogenkamp.
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Hinweis: Der Artikel ist leider auf der Website der SonntagsZeitung nicht online verfügbar. Ist er doch, nur ist er nicht verlinkt (und ohne Foto). Danke an Tom für den Hinweis.
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5 Kommentare
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schrieb am 20. August 2006, 12:26 Uhr (Permalink zum Kommentar)[…] « “Mit Blogs auf die grosse Kasse hoffen” - Artikel in der Sonntagszeitung […]
leo
schrieb am 20. August 2006, 16:55 Uhr (Permalink zum Kommentar)Der Stuhl ist Schuld! Echt! Du must dir so einen fetten Chefsessel kaufen (Geld bei den Praktikaten abzwacken ;). Noch ein bisschen mehr Haltung dazu und die Fotos werden um Welten besser. Noch besser lässt du sie vom eigenen Fotograph machen, dann kann nichts mehr schief gehen.
Peter Hogenkamp
schrieb am 20. August 2006, 18:25 Uhr (Permalink zum Kommentar)Danke für den Tipp, Leo. Das ist ja nicht mein Arbeitsstuhl, sondern nur irgendein komischer Plastikschalenstuhl, der gerade in unserem Sitzungszimmer rumstand. Die Fotografin hat gefühlte 200 Fotos gemacht, und sie haben dan dieses genommen, das, wenn ich es mir nochmal anschaue, auch aussehen könnte, als würde ich aufstehen wollen, aber der Stuhl hat sich an mir festgesaugt. Aber eben, das mit dem Foto werfe ich niemandem vor, Ihr solltet mal meinen neuen Pass sehen (biometrisch, daher darf man nicht mehr lachen).
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schrieb am 20. August 2006, 11:03 Uhr (Permalink zum Kommentar)