| Social Media Gipfel Zürich: Gowalla und Foursquare |
Am letzten Mittwoch fand der zweite «Social Media Gipfel Zürich» (ich bin Co-Organisator, zusammen mit Marcel Bernet) statt. In «meinem» Teil behandelten wir die beiden «Location-based Service»-Newcomer Gowalla und Foursquare.
Der zweite Social Media Gipfel war bei der Ausschreibung am 12. Januar schon nach gut eineinhalb Stunden ausgebucht. Wir hatten schon Sorge, viele Leute müssten stehen, aber mit schlussendlich 82 Besuchern für 81 Stühle kam es wieder fast perfekt hin. Nur bei der Kaffeemaschine (der Kaffee war diesmal dank Sponsor local.ch gratis) bildete sich eine lange Schlange; hier gibt es noch Optimierungspotenzial.
Zuerst stellte Daniel Graf von Amnesty International die Kampagne Kerzen nach Libyen vor. Dies hat Dominik von Bernet PR bereits im Bernetblog beschrieben: Amnesty International: Social Media helfen Libyen-Geiseln.
Im zweiten Teil ging es um eine neue Generation von «Location-bases Services». Eine schnelle Umfrage unter den Anwesenden ergab: Nur knapp ein Drittel benutzt bereits einen der beiden Services Gowalla oder Foursquare. Prima, dann konnten über zwei Drittel sich hoffentlich ein Bild machen.
Ralph Hutter alias @pixelfreund stellte den Dienst Gowalla vor. Seine Slides hat er bei sich im Blog bereits hochgeladen: «Gowalla How-To – Only Shenaningans?»
Bei Gowalla geht es um «Places, People, Items» – man kann Orte besuchen, man kann sich mit Freunden vernetzen und an den Orten auch noch Gegenstände mitnehmen. Man kann aber nur 10 Items «tragen», ab dann muss wieder «gedropped» werden. Es gibt Pins für komplettierte Touren, z.B. für eine Tour durch den Central Park; diese kann man neuerdings auch hierzulande anlegen, es gibt etwa eine «Emser Beizentour». Ralph hat unter anderem seinen Arbeitsweg von Zürich nach Chur als Bahnhofsspot-Tour angelegt, in dem er unterwegs bei allen Bahnhöfen eincheckt, an denen er vorbeifährt.
Der Pixelfreund schloss, er habe es «so ganz selbst noch nicht verstanden», outete sich aber zugleich als Fan «im Sammelfieber». Der Gamecharakter von Gowalla ist deutlich stärker als bei Foursquare; genau deswegen sei er bei Gowalla.
Als zweites sollte Cédric Hüsler (jetzt bei Day in Basel, vielen Zürchern noch bekannt aus seiner Zeit bei local.ch), Twitter: @keepthebyte, den vergleichbaren Dienst Foursquare vorstellen. Er hatte nachts um 1 Uhr noch seine Präsentation gemailt (auch online bei Slideshare), was uns zuversichtlich stimmte, dass er in letzter Minute auch noch auftauchen würde, um sie zu präsentieren. Tat er aber nicht. Spontane SMS-Abklärungen von Leila Summa ergaben, dass er sich die Veranstaltung statt für 7.30 Uhr am Morgen für 19.30 Uhr am Abend eingetragen hatte. (No hard feelings, Cédric.)
Ich sprang ein und stellte (allerdings weitgehend ohne seine nicht an allen Stellen selbsterklärenden Slides) Fourquare vor. Foursquare ist «ernsthafter» als Gowalla und weniger spielerisch.
Ich hatte es zuerst ignoriert und dann vor einigen Wochen intensiv ausprobiert, auch als Vorbereitung auf diese Veranstaltung. Es gibt Punkte (für den ersten Check-in am Tag einen, dann immer einen mehr pro Check-in, sowie Sonderpunkte für den ersten Check-in an einem Ort oder das Anlegen eines neues «Place»). Und es gibt «Badges» für bestimmte Sonderleistungen, die man erreicht. Zu den Foursquare-Badges gibt es (noch?) einen eigenen Wikipedia-Artikel. Ich habe zum Beispiel derzeit xx Badges, u.a. den Badge «Bender», weil ich Foursquare «four nights in a row» genutzt habe. Bei Badges wie «School Night» («Checking-in after 3am on a school night? Well done!») erkennt man die geistige Verankerung von Foursquare in der College-Szene. Ich habe ihn natürlich morgens um 5 Uhr nicht bekommen, weil ich noch, sondern weil ich schon wach war.
Ausser Badges zu sammeln kann man auch «Mayor» werden von einem Ort, an dem man am meisten von allen eincheckt. Auch das ist eine lustige Idee, aber hier finde ich die Hürden zu gering. Mayor von seiner eigenen Wohnung zu sein ist relativ wenig cool, finde ich, und auch, dass man schon beim zweiten Check-in an einem selbst erfassten Ort Mayor wird, finde ich zu wenig «streng». Das Konzept, dass ein Ort einen «Vorsteher» hat, der dort die meiste Zeit verbringt, ist aber trotzdem interessant. Das fand neulich auch die New York Times im Artikel: Foursquare: Share, and You Can Be the Mayor.
Die Harvard University, die ja auch nicht dafür bekannt ist, dass dort nur spätpubertierende Leute rumlaufen, hat alle Campus-Gebäude auf Foursquare erfasst, so dass man sich besser finden kann.
Meine lustigen Erlebnisse mit Foursquare waren eine samstägliche Schnitzeljagd durch St. Gallen mit Hans-Dieter Zimmermann, der sich reihum immer an Orten einloggte, an denen ich auch schon war oder zu denen ich als nächstes wollte, sowie ein Anruf von Olivia Menzi, zehn Sekunden, nachdem ich im Swisscom Tower eingecheckt hatte: «Kannst Du mir von dort etwas mitbringen?»
Nicht gross diskutiert haben wir den Businessnutzen: Es können Vergünstigungen oder Gutscheine hinterlegt werden, in einigen US-Bars gibt es z.B. für den «Mayor» das erste Bier gratis. Hier gibt es sicher noch Potenzial für viele lustige Ideen — ob die Adaption durch die User dann auch Schritt hält, wird sich zeigen.
Den Rant zum Thema Location-based Services machte Christian Leu alias @leumund. Er war per Videoeinspielung präsent und hat das Video bei sich im Blog eingestellt, so dass man eine Anmerkungen genau wie die Teilnehmer anschauen kann. Seine Aussage zusammengefasst: LBS wären eigentlich cool, aber Foursquare und Gowalla sind beide noch nicht so weit, dass er sie nutzen würde. Er bevorzugt derzeit noch Google Latitude, das den Standort automatisch durchgibt.
Es war wieder mal ein spannender Gipfel, und wir freuen uns auf den nächsten am 7. April (wo ich leider ferienhalber abwesend sein werde) und den übernächsten am 2. Juni 2010.
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(8.02.2010 09:26)
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